Vom 10. bis 14. September 2024 traf sich unser WiM-Netzwerk zum vierten Mal für einen reichhaltigen Workshop mit vielen produktiven Diskussionen und einer inspirierenden Exkursion in Graz.
Am ersten Tag widmeten wir uns nach einem gemeinsamen Ankommen – im Sinne der „Art of Gathering“ – der Zukunft unseres Netzwerks und diskutierten mögliche Zukunfts- und Zielvorstellungen in Bezug auf Mitglieder, Inhalte und Formate. Darüber hinaus klärten wir erste inhaltliche und organisatorische Fragen zu unserem laufenden Handbuchprojekt.
Der zweite Tag begann mit einer Exkursion durch den industriellen Teil des Viertels Gries, bei der wir zusammen mit Dr. Wolfgang Fischer verschiedene Orte der Vermüllung und des Recyclings besuchten. Bei einem multi-sensorischen Erkundungsspaziergang sahen, rochen, hörten wir z.B. den dortigen Schrottplatz, eine Fleischfabrik sowie eine Blumenbörse. Anschließend besuchten wir den „Ressourcenpark Graz“ in der Sturzgasse, der vor kurzem komplett neugestaltet wurde und unzählige Beispiele für die Kategorisierung, Bewertung und Kommodifizierung von verschiedenen Arten von Abfällen und Materialien bietet. Den Nachmittag verbrachten wir dann damit, unseren Blick von diesen sehr lokalen Abfallpraktiken auf das Globale auszuweiten. Über ein „Guided Reading“ diskutierten wir weltweite Fälle von „Abfallkolonialismus“ und versuchten zu verstehen, wie diese Rahmung zwar manchmal komplexe Formen postkolonialer agency verschleiern, aber in vielen Fällen dennoch nützlich für die Analyse von global(isiert)en Abfallfragen sein kann.
Am dritten Tag veranstalteten wir als Netzwerk eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema „Zero Waste in the City? Zwischen Aktivismus und urbanem Handlungsprogramm“, an der Katja Sreš (*Ecologists without Borders*, Ljubljana), Evelyn Rath (Zero Waste Graz), Mag. Christopher Lindmayer (Stadtverwaltung Graz), Andreas Höfler (Repair Café Graz) und Dr. Yusif Idies (Universität Münster, WiM-Netzwerk) teilnahmen. Die Podiumsteilnehmenden sprachen über die Möglichkeiten und Grenzen des Konzeptes „Zero Waste“, seiner Anwendung auf die Stadt Graz und darüber hinaus. Dieses Panel und die anschließende Fishbowl-Diskussion, bei der auch das Publikum zu Wort kam, erwiesen sich als sehr produktiv und regten zum Nachdenken darüber an, was in einer Stadt wie Graz mit einem solchen Konzept tatsächlich möglich ist.
Alles in allem war es ein sehr schöner Workshop, der viele Ergebnisse und Ideen für zukünftige Projekte für das Netzwerk, für unser Handbuchvorhaben und zum übergreifenden Thema „Abfall in Bewegung“ hervorbrachte. Wir freuen uns darauf, diese bis zu und während unseres nächsten Workshops in Frankfurt im Frühjahr 2025 weiterzuführen.
Autor:innen: Miriam Kienesberger & Michael Wittmann